Muschel News / 30. Ausgabe, Dezember 2025

Muschel News / 30. Ausgabe, Dezember 2025

Vorwort

Seit vielen Jahren informieren wir Sie mit unserem Newsletter über unsere ambulante Kinder- und Jugendhospizarbeit, die sich dank Ihrer Spendenbereitschaft zu einem Leuchtturm in unserer Region entwickelt hat.

Gerade in Anbetracht der vielfältigen finanziellen Probleme in unserer Gesellschaft sind Spenden jedoch keine Selbstverständlichkeit.

Als wir im Jahr 2004 unseren Verein gegründet haben, war nicht klar, ob sich die Kosten für eine so spezielle Aufgabenstellung wirklich langfristig mit Spendengeldern finanzieren ließen. Mit nur wenigen angestellten, aber vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen ist es uns gelungen, ein umfassendes Betreuungs- und Versorgungsnetzwerk zu schaffen, das den betroffenen Familien Hilfe und ein kleines Stück Lebensnormalität zurückgibt.

Sehr viele positive Rückmeldungen aus den Familien über unsere Arbeit und auch neue Anfragen bestätigen, dass sich unser Verein inzwischen zu einer festen Größe in diesem besonderen Bereich entwickelt hat.

Bleiben Sie uns daher bitte auch zukünftig wohlgesonnen.

 

 

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und ihre Verbundenheit mit der Muschel.

Neue ehrenamtliche Fahrerin bei der Muschel

Ich bin seit Mai 2025 die neue ehrenamtliche Fahrerin für die Muschel. Ich bin 52 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Töchter, 22 und 23 Jahre alt, die ihre Mutter nicht mehr so sehr brauchen.

Neben meinem Job als Personalperle backe ich gerne und liebe es, zu reisen und zu lesen.

Damit keine Langeweile bei mir aufkommt, habe ich beschlossen, etwas ehrenamtlich zu machen.

Da ich auch sehr gerne Auto fahre, kam mir das Stellenangebot der Muschel sehr gelegen. Ich kann beides verbinden, Kinder und Jugendliche wenigstens ein bisschen unterstützen und meine Begeisterung für das Fahren.

5 Fragen an Nele Fregin

Beendigung der Online-Trauerbegleitung

Die Online-Trauerbegleitung für Jugendliche und junge Erwachsene wurde mit dem 31.07.2025 eingestellt. Seit 2018 haben engagierte junge Frauen, oft mit eigenen Verlusterfahrungen sensibel die anonymen Anfragen der Trauernden beantwortet. Sich die Ängste und Sorgen, die schweren Gedanken von der Seele schreiben, sich jemanden anvertrauen, dies kann für einen trauernden Menschen sehr hilfreich und entlastend sein. Aus wirtschaftlichen Gründen können wir dieses Angebot leider nicht aufrechterhalten. Bei einem gemeinsamen Essen haben wir uns von den aktuell fünf ehrenamtlichen Peers verabschiedet und mit dem folgenden Gedicht unsere Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. 

Muschelflüstern

Aus ruhigem Wasser, still und nah standet ihr da, ihr Lieben, lange Zeit auch ward ihr da. Mit warmen Herzen, vertrauensvoll, mit Worten zart, habt ihr die Wellen der Trauer getragen. Ihr habt gehört in den geschriebenen Worten, was niemand sonst hört, die leisen Klagen, ohne zu verzagen.

In euren Händen lagen ehrliche Worte mit Sorgen und Nöten, eure Geduld im Sturm der Trauer war sehr wertvoll und von Nöten.

Ihr hattet Mut, ihr hattet Pflicht, eure Schritte waren geleitet vom stillen Licht. Die Aufgabe schwer, doch durch Wärme noch mehr, ihr habt geteilt, was sicher war manchmal schwer.

 

Ihr seid nicht nur Rat, ihr seid auch Raum, in dem Schmerz sich wandelt, Enttäuschung wird zum Hoffnungstraum. Ihr habt gelernt zu hören, aus den Worten, zu halten, zu begleiten, bis neue Hoffnung sich zeigt, durch das Bleiben und nicht das Gehen geleitet.

So ehren wir euch heut ihr Peers der Muschel, die leisen Stimmen der Worte und der Schrift in sanften Wellen des Wassers und des Lichts. Ein Dank, der so sehr von Herzen kommt, für eure Geduld, euren Mut, euren unermüdlichen Rat und eure viele Zeit, die uns immer in Erinnerung bleibt. Es tut weh, dass die Wege sich jetzt trennen, wirtschaftliche unschöne Winde haben das so gemacht und zum 31.07.2025 das Ende gebracht.

 

Der Lebensfluss geht weiter, doch ihr seid bereichert durch jeden Moment, den ihr habt geteilt. Möge jeder, der eurer Hilfe einst vertraut, weiter tragen, was ihr leise aufgebaut. Wir hoffen, die Muschel bleibt im Herzen bestehen – ein Symbol für Wärme, Schutz und eine Perle, wie wunderschön, sie bleibt, auch wenn die Wellen sich drehen.

Mit Respekt und Dank sagen wir leise: Auf Wiedersehen!

Aktuelle Buchperle

Ich empfehle dieses Buch allen, die ihr Kind verloren haben. Allen, die jemanden kennen, dem das widerfahren ist, aber im Grunde allen Erwachsenen. Denn das Buch macht den Kampf, den Eltern mit ihrem Innen und dem Außen durchzustehen haben, anschaulich und macht deutlich, dass der Tod sehr grausam sein kann, aber schlussendlich ins Leben integriert werden muss.

Nils ist das viertgeborene Kind von Melanie Garanin. Er machte, wie sie selbst sagt, ihr Leben perfekt. Mit ihren Kindern und ganz vielen Tieren lebt die Familie nah am Wald - eine glückliche Zeit. Doch Nils erkrankt an Leukämie. Auch wenn es erst so erscheint, dass er gut durch die Krankheit kommt, stirbt er schließlich an einer unerkannten Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die durch die Therapie verursacht wurde. Die Familie versucht, die Ärzte für ihre Schuld in die Pflicht zu nehmen und engagiert einen Anwalt. Der Weg durch die Instanzen gestaltet sich schwierig. Ein Gutachten sieht kein Verschulden vonseiten der Ärzteschaft. Das Gegengutachten, das die Eltern erstellen lassen, widerspricht dem. Doch es steht Aussage gegen Aussage. Monatelang geschieht nichts, bis das Verfahren schließlich eingestellt wird.

Melanie Garanin hat Tagebuch geführt. Einmal im Monat einen Tag im Leben ihrer Familie skizziert. So hat sie genügend Material, um im Nachhinein auf diese schwere Zeit zurückzublicken.

Die Wortwahl, die Farbe der Zeichnungen sowie die Gesichter der Protagonisten machen die Gemütszustände, die sie durchlebt, sehr deutlich und beschönigen nichts.

"Können wir eins versuchen? Weil: Wir werden immer, immer traurig sein, nie wieder untraurig. Nie nicht traurig. Aber bitte. Lass uns versuchen, nicht immer, immer, immer unglücklich zu sein. Ja? Das darf nicht passieren, dass wir für immer unglücklich sind. Lass uns das schaffen. Bitte."

Melanie Garanin

Erweiterung unseres Trauergruppenangebots für Kinder und Jugendliche

Erinnerungen sind wie kleine Samen, aus denen etwas Neues wachsen kann: Trost, Verbundenheit und Hoffnung.

Aus dieser Haltung heraus möchten wir trauernden Kindern und Jugendlichen, die den Verlust eines geliebten Menschen erlebt haben, Raum geben, ihre Erinnerungen zu teilen und gemeinsam neue Kraft zu schöpfen.

"Alle Tiere dachten an Fuchs und an das, was sie mit ihm erlebt hatten. Während sie erzählten, wuchs in der Mitte der Lichtung ein wunderschöner Baum, der Baum der Erinnerung."

Lit. Britta Teckentrup, Der Baum der Erinnerung

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Angehörigencafé

Parallel dazu findet ein Angehörigencafé statt. Hier können Eltern, Großeltern und andere Bezugspersonen der Kinder miteinander ins Gespräch kommen. Sie erhalten Raum für Austausch, Verständnis und fachliche Impulse zur Frage, wie Kinder in ihrer Trauer unterstützt werden können. Denn trauernde Kinder brauchen trauernde Erwachsene, die ihnen Halt geben können und selbst gut begleitet sind.

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Neue Jugendtrauergruppe ab Januar 2026

Auch Jugendliche erleben Trauer auf ihre eigene Weise. Oft schwanken sie zwischen dem Bedürfnis nach Nähe und dem Wunsch nach Rückzug, zwischen Wut, Schuldgefühlen und Sehnsucht. Deshalb planen wir ab Januar 2026 den Start einer Jugendtrauergruppe für 15- bis 18-Jährige, ebenfalls in Lübeck. In dieser Gruppe darf Raum entstehen für Gespräche, gemeinsames Erinnern, kreative Ausdrucksformen und den Austausch mit Gleichaltrigen, die ähnliche Verlusterfahrungen gemacht haben. Ziel ist es, Jugendliche in ihrer eigenen Sprache und Lebenswelt zu erreichen und sie zu stärken, ihren individuellen Weg durch die Trauer zu finden.

Werde Teil unseres Teams!

Wir von Die Muschel e.V. suchen engagierte ehrenamtliche Mitarbeitende, die Familien in schweren Zeiten unterstützen möchten. Gemeinsam helfen wir lebensverkürzend erkrankten Kindern, Jugendlichen sowie betroffenen Eltern und deren Familien.

Wir sagen Danke!

Viele Ideen, sich zu engagieren und zu spenden! Hier stellen wir einige vor!