
Muschel News / 31. Ausgabe, Juni 2026
Vorwort
Die Tage sind wieder länger und wir können die Zeit draußen in vollen Zügen genießen. Ob beim Schwimmen, Radfahren, bei ausgedehnten Spaziergängen oder bei schönen gemeinsamen Abenden auf der Terrasse – diese Jahreszeit schenkt uns neue Energie und kleine, kostbare Momente des Innehaltens. Auch für mich und meinen Hund Fiete ist es die schönste Zeit im Jahr. Er hat schon vor einigen Wochen die Badesaison im Segeberger See eingeläutet, da er es offensichtlich nicht erwarten konnte – jeder noch so kleine Tümpel gehört ganz selbstverständlich ihm.
Dies ist mein zweiter Frühling bei der Muschel und ich habe mich hier sehr gut eingelebt. Ich schätze die Tätigkeiten und die unglaublich wertvollen Menschen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, sehr. Die Begegnungen sind oft berührend, manchmal herausfordernd und immer von großer Bedeutung. Sie erinnern mich daran, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein, zuzuhören und gemeinsam auch schwierige Wege zu gehen. Es wird mir immer wieder bewusst, wie viel Kraft in Gemeinschaft und kleinen Momenten liegt – sei es ein Lächeln, ein Gespräch oder ein stilles Dasein. Ich bin dankbar, neben so vielen engagierten Menschen Teil der Muschel sein zu dürfen.

Lisa Kirbach, Koordinatorin

Unser 13. Befähigungsseminar
Herzlichen Glückwunsch an alle 11 Muschelperlen - danke, dass es euch gibt!
Im Jubiläumsjahr 2026 beenden wir unser 13. Befähigungsseminar für ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Im Mai 2025 starteten wir mit 14 sehr motivierten Menschen ein neues Seminar.
Ein Jahr später konnten 11 neue ehrenamtliche MitarbeiterInnen, wir nennen sie immer liebevoll „Muschelperlen“, ihre Teilnahmebescheinigungen entgegennehmen. Es war ein besonderer und feierlicher Moment. Zwei unserer Muschelperlen begleiten seit einigen Wochen schon eine Familie und haben viel Freude daran. Alle anderen werden sicher auch ihren Platz in der Muschel finden.
Wir sind immer wieder dankbar für diese Zeit, die die Menschen für das Befähigungsseminar aufbringen.
Jeden 2. und 4. Dienstag im Monat und an einigen Samstagen sind wir in unseren Lübecker Räumlichkeiten zusammengekommen und haben viel zusammen gelernt.
Das nächste Befähigungsseminar startet im Frühjahr 2027!
Interview mit : Kim Laurus
Seit wann arbeiten Sie bei der Muschel?
Das Befähigungsseminar habe ich im Oktober 2020 angefangen und nach einer Pause während der Coronazeit im März 2022 abgeschlossen.
Wie sind Sie zur Muschel gekommen?
Durch Zufall. Ich hatte im Internet recherchiert, wo ich mich neben meinem Hauptberuf ehrenamtlich in Lübeck engagieren könnte. Ich bin dann auf ,,Die Muschel“ gestoßen und fühlte mich von dem Konzept der Trauerarbeit berührt.
Betreuen Sie zurzeit eine betroffene Familie? / Welche Aufgaben haben Sie im Moment?
Seit vier Jahren unterstütze ich die Kolleginnen in der Kindertrauergruppe in Lübeck, alle zwei Wochen am Donnerstag-nachmittag. Wir machen auch gemeinsam Ausflüge wie zum Beispiel auf den Reiterhof. Im Juni findet zum dritten Mal das Wellenreiter-Wochenende mit den Kindern aus den Kindertrauergruppen in Scharbeutz statt, wo ich auch mitfahre. Darauf freue ich mich schon :)
Wie können Sie das schaffen?
Weil die Kinder einem einfach Freude machen! Obwohl wir eine Kinder-trauergruppe sind, lachen wir auch sehr viel und haben Spaß. Die beiden hauptamtlichen Kolleginnen leiten die Gruppen zudem sehr liebevoll und es ist eine familiäre und positive Atmosphäre, in der ich mich sehr wohl fühle.
Was tun Sie, um sich zu entspannen?
Ich bin gerne draußen in der Natur, lese viel oder verbringe Zeit mit meinem Partner und meiner Familie. Entspannen kann ich mich gut bei einem schönen Käffchen am Morgen.


NOEL
Noels Mama erzählt: Im März 2020 habe ich den kleinen vier Monate alten Noel direkt aus dem Krankenhaus zu mir nach Hause geholt. Als Heilerziehungspflegerin habe ich mich bewusst für ein erkranktes Pflegekind entschieden - Noel leidet an Muskeldystrophie Duchenne und einem weiteren Gendefekt, die eine globale Entwicklungsstörung und weitere Handicaps zur Folge haben. Mit ihm kamen viele wunderbare Momente, Freude über noch so kleine Fortschritte, sein tolles, fröhliches Gemüt, aber natürlich auch Sorgen, Ängste, bürokratische Hürden usw. zu uns. Anfang 2024 habe ich von der Möglichkeit einer Unterstützung durch die Muschel erfahren und mich dann auch recht schnell dort gemeldet.
Andrea – ehrenamtliche Mitarbeiterin lernt Noel kennen:
Im Sommer 2024 rief mich die zuständige Koordinatorin an und fragte, ob ich mir vorstellen könne, einen knapp fünfjährigen Jungen aus Lübeck-Niendorf zu begleiten. Und wie ich das konnte! Also lernten wir uns alle an einem warmen Sommertag im Garten der Familie kennen: Noel, seine Pflegemama Marnie, Oma Renate und wir beiden Muschel-Mitarbeiter.
Wir haben uns auf Anhieb prima verstanden. Noel war fröhlich, aufgeschlossen und hat uns gleich in sein Spiel im Sandkasten mit einbezogen. Von da an besuchte ich Noel in der Regel einmal in der Woche. Lange laufen kann Noel leider nicht – deshalb haben wir Spaziergänge mit seinem Buggy in der Umgebung, zum nahe gelegenen Spielplatz oder durch den Wald unternommen.
Noel liebt es besonders, wenn wir „Rumpel-Pumpel“ spielen - ich ihn also ordentlich mit dem Wagen wackele - oder wir schief um die Kurven düsen. Noel kann nicht altersentsprechend sprechen. So war es zunächst sehr schwierig für mich, ihn zu verstehen. Das hat mich ziemlich belastet, denn Noel hat mir so viel erzählt und ich war mir nie sicher, ob ich sinnvoll darauf geantwortet habe. Das wurde mit der Zeit jedoch immer besser. Noel hat Fortschritte gemacht und ich habe mich gut „eingehört“. Nicht nur das war am Anfang schwierig für mich, auch dass immer eine Tasche mit Notfall-medikamenten dabei war, die ich unter Umständen auch hätte anwenden müssen.
Ich bin beruflich Bankerin gewesen, habe keine eigenen Kinder groß- gezogen und nun sollte ich womöglich Zäpfchen einführen oder ein Krampfmedikament in die Mundhöhle geben? Aber auch diese Gedanken sind schnell verflogen – wir kennen uns inzwischen so gut, dass ich so eine Situation, die natürlich hoffentlich nie eintreten wird, inzwischen gut auf mich zukommen lassen kann. Auch hatte ich zu Beginn Berührungsängste mit Noels starkem Speichelfluss. Ich denke, das ist nachvollziehbar und man darf es auch ruhig ansprechen. Auch das ist mittlerweile völlig selbstverständlich für mich. Bei dem einem Kind läuft die Nase und es benötigt ein Taschentuch, Noel benötigt halt neue trockene Halstücher.
Und was machen wir sonst so? Wir sitzen in seinem Zimmer und spielen mit Duplo-Steinen oder mit seinem VW-Bus-Model. Noel liebt VW Busse – während unserer Spaziergänge hält er ständig Ausschau nach Bussen; Ford und Mercedes sind auch in Ordnung! Oder wir shoppen im CittiPark, sitzend im großen Einkaufswagen. Und er weiß auch ganz genau, was er gerne kaufen möchte. Wir sind auch mal eine kleine Strecke mit dem Stadtwerkebus gefahren - da kann man viel besser ausgucken, als im Kindersitz im Auto!
Einige Male habe ich Noel zum therapeutischen Reiten begleitet – dazu hat er zwar nicht immer Lust, aber wenn er erst einmal auf dem Pferd sitzt, ist der Unmut vergessen. Außerdem kann man hinterher Eis essen oder in der großen Sandkiste baggern. Seit einiger Zeit gehen wir montags tanzen – eine kleine Gruppe von Kindern bis zu sechs Jahren. Noel hat so viel Spaß dabei – er versucht die Bewegungen nachzumachen, aber auch nur zur Musik durch den Raum zu laufen, findet er einfach mega – der kleine Partylöwe!
Leider gehören zu der Begleitung eines erkrankten Kindes auch die nicht guten, die belastenden Phasen. Im vergangenen Jahr musste Noel mehrere Krankenhausaufenthalte ertragen, auch sehr ernste, lebensbedrohliche Situationen. Es ist schwer, die Bilder von der Intensivstation zu sehen. Aber Noel ist ein Kämpfer und Steh-Auf-Männchen. Wie schön ist es dann, wenn ich komme und Noel mir mit ausgestreckten Armen und „Andrea, Andrea“ rufend entgegenkommt.

Die Begleitung von Noel und seiner tollen engagierten Pflegemutter Marnie hat mich wirklich bereichert - ich bin sehr dankbar dafür!

Junges Ehrenamt beim Bundespräsidenten
Am 12. September 2025 war ein ganz besonderer Tag, den ich im Namen der ,,Muschel" beim jährlichen Bürgerfest des Bundespräsidenten in Berlin verbringen durfte. Frank-Walter Steinmeier hatte Ehrenamtliche aus der ganzen Bundesrepublik zu sich in das Schloss Bellevue eingeladen. Auch unser Verein durfte vertreten werden. Es wurden vor allem noch junge Ehrenamtliche bis 30 Jahren gesucht. In die gesuchte Alters-klasse passte ich gerade noch so rein, sodass ich tatsächlich nach Berlin fahren durfte.
Im Garten des Schlosses wurden an zahlreichen Ständen kulinarische Köstlichkeiten angeboten, die Tische waren fein dekoriert und esgab auch für die Kinder viele Angebote zum Spielen, einen Kinderzirkus und eine Tombola. Meine kleine Schwester, die ich mitnehmen durfte, und ich sahen uns fasziniert um. Es war eine aufregende und fröhliche Stimmung! Frank-Walter Steinmeier hielt natürlich auch eine Rede, bei der er allen Ehrenamtlichen in unserem Land für ihr Engagement dankte, denn so viele, wichtige Dinge wären ohne Ehrenamtliche gar nicht möglich! Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis, bei diesem besonderen Fest dabei gewesen zu sein und den Bundespräsidenten einmal live sehen zu dürfen!
Ich danke der ,,Muschel" sehr für diese besondere Ehre! Auch wenn ich natürlich euch alle gern mitgenommen hätte! - Kim Laurus


Unsere Muschel Perlen


Wir sagen Danke!
Viele Ideen, sich zu engagieren und zu spenden! Hier stellen wir einige vor!

Megamarch in Hamburg – so viele Kilometer für den guten Zweck

Grundfos Pumpenfabrik GmbH, Wahlstedt – Spenden aus dem Erlös eines Mitarbeiter- Flohmarkt-Verkaufs

Bürgerverein „Dorfleben im Auenland“ Weihnachtsmarkt in Sülfeld mit dem Verkauf von selbstgemachten Sachen

Traditionelle Weihnachtscharity der Firma apoprojekt, Hamburg

„Spenden statt schenken“ - das Weihnachtsmotto der Familien Berhard, Reinholdt, Sasse, Schnackenbeck, Schomacker, Trettin und Wentorf

Weihnachtlicher Kunsthandwerkermarkt im Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck und Spendenbox in der Adventszeit

Hallenturnier der SG Schmalfeld -Hasenmoor – Zaun-Petersen- Cup 2026 Tombola zugunsten der Muschel

Spendenaktion der Krankenpflegeschüler am Institut für berufliche Fort- und Weiterbildung - IBAF in Lübeck

Werde Teil unseres Teams!
Wir von Die Muschel e.V. suchen engagierte ehrenamtliche Mitarbeitende, die Familien in schweren Zeiten unterstützen möchten. Gemeinsam helfen wir lebensverkürzend erkrankten Kindern, Jugendlichen sowie betroffenen Eltern und deren Familien.
