Muschel-News | 21. Ausgabe, Juni 2021

Liebe Familien, liebe Förderer, liebe Mitarbeiter/-innen, liebe Leser/-innen!

Wenn ich gefragt werde, welches Wort mir in diesem bereits zweiten Corona-Sommer einfällt, dann ist es das Wort Hoffnung.

Wir alle sehnen uns nach mehr Normalität, Unbeschwertheit, nach Umarmungen und Nähe. Unser Alltag ist immer noch geprägt von Unsicherheit, Risiken und Ängsten – aber ich spüre auch, die Hoffnung, die uns verbindet, ist da – trotz Abstand. Und sie wächst, wenn wir sie teilen!

Gemeinsam wollen wir diese Hoffnungswege gehen. Waren wir auch während der strengeren Pandemie-Beschränkungen immer in Kontakt mit unseren Familien, so werden die persönlichen Begegnungen durch das intensive Testkonzept und die Impfstrategie jetzt
viel einfacher.

Ausflüge in die Natur, der Besuch eines Tierparks, mal einen großen Eisbecher genießen… unsere ehrenamtlichen MitarbeiterInnen freuen sich schon sehr darauf, dies alles wieder mit „ihren“ Muschelkindern unternehmen zu können und viel Spaß zusammen zu haben. Sehr gut und wichtig ist es, dass die Muschel in der Öffentlichkeit bald wieder mehr Präsenz zeigen darf und Veranstaltungen möglich
werden. Nur so können wir weiterhin Menschen erreichen, die unsere Angebote annehmen können und möchten, aber auch Menschen, die unsere Arbeit in unterschiedlichster Weise unterstützen. Ich wünsche allen Lesern einen wunderschönen Sommer mit vielen sonnigwarmen Tagen und vor allem großer Zuversicht und Hoffnung im Herzen.

Ihre Ute Drefke
Koordinatorin, Tel. 04551/ 802-3030
info@die-muschel-ev.de

In Erinnerung an unsere Tochter Lovis…

Es gibt diese Tage im Jahr, die irgendwie begangen werden müssen. Jedenfalls ist es uns bisher so ergangen, seitdem unsere mittlere Tochter Lovis am 20. Dezember 2009 an einem seltenen und inoperablen Hirnstammtumor (DIPG) verstorben ist.

Wir lebten bis vor ein paar Jahren in Kanada und haben dort erlebt, wie sehr die Menschen uns während Lovis‘ kurzer Krankheit in unserer Umgebung immer wieder beschenkt haben. Es gab Zeitgeschenke, Aktivitäten, Haushaltshilfe, Essen, Konzerte, Patchworkdecken, Spielzeug, liebevoll selbstgemachte Dinge, Geld, Kuchen und Kekse, Bücher, Kerzen, Nützliches, Fahrservice, Rasenmähen und und und … noch nie fühlten wir uns so reich beschenkt. Und mussten gleichzeitig Abschied nehmen von einem der größten Geschenke, das uns das Leben als Familie gegeben hat. Lovis selbst hat auch viel verschenkt während ihres kurzen Lebens – wir halten diese Geschenke sehr in Ehren. Lovis war drei Jahre und acht Monate alt, als sie starb.


Das Loch, das sie bei uns hinterlassen hat, wird nicht gefüllt und ist jeden Tag bei uns und in uns. Aber – wir vermissen Lovis in Liebe und mit Sehnsucht. Und wollen schenken, was uns geschenkt wurde. Direkt nach ihrem Tod hat es uns geholfen, zur Kinderkrebsstation im Kinderkrankenhaus in Halifax zu fahren und dort Essen für die Familien auf der Station zu lassen. An Weihnachten haben wir Pakete für die Familien gepackt, die wegen der Krebserkrankung ihrer Kinder nicht zuhause sein konnten. An Ostern haben wir Vergiß-mein-nicht an liebe Menschen verschenkt. An Lovis Geburtstag haben wir Kinderspielzeug in Geschenketüten ins Krankenhaus gebracht, immer in der Zahl ihres jeweiligen Geburtstags.

Nun wäre sie dieses Jahr 15. Irgendwann wollten wir keine Zahlen mehr schenken, sondern nur noch das Geschenk – eines, das anderen gut tut, das sie gebrauchen können. Und das machen wir jetzt seit fast 12 Jahren, mindestens zweimal im Jahr. Es waren Benzingutscheine, Kleidung, Geld, Spielsachen, eine Mikrowelle, ein Swimming-Pool und andere Dinge, die gebraucht wurden und im Beschenkten vielleicht kurz, vielleicht länger ein kleines Glücklichsein auslösen, in der Trauer, in der Not, während einer schlimmen Zeit. So lebt Lovis für uns zum Teil weiter, es tröstet uns als Familie, an diesen Geburts- und Sterbetagen etwas Schönes zu geben. So wie Lovis es uns gegeben hat und wir ihr. Das Leben ist ein Geschenk – wir wollen es immer wieder schön verpacken und das Auspacken in Dankbarkeit genießen.

Stefanie Tews mit Familie